Innerer Quarantäne-Monolog

Worüber sich die Gefühle in meinem Kopf während der Quarantänezeit so unterhalten. Ein Ausschnitt:

INNEN. Schlafzimmer, 8 Uhr morgens. 

Freude: Guten Morgen, oh, hört ihr die Vögel zwitschern?

Grant: Heast, deine gute Laune kannst du dir sonstwohin stecken. Was bringen uns zwitschernde Vögel, wenn wir nicht zu ihnen hinauskönnen? Wir sind noch zehn Tage in Quarantäne, schon vergessen? Und auch danach herrscht Ausgangssperre.

Vernunft: Ja, aber mit deinen Aufregereien vergehen die Tage auch nicht schneller.

Grant: Mir doch egal, ob sie nicht schneller vergehen.

Angst: Oh Leute, habt ihr das auch gerade gespürt? Bahnt sich da ein Huster an??

Vernunft: Ja, aber haben wir uns nicht gerade verschluckt?

Angst: Äh, na und? Da kommt er, der Huster, hab ich euch doch gesagt!!

Vernunft: Siehst du den Zusammenhang nicht?

Angst: Ich sehe den Zusammenhang genau: Wir waren 24 Stunden in Flugzeugen und dann in einem überfüllten Gang vor der Einreise und jetzt haben wir gerade gehustet.

Vernunft: WIR HABEN GEHUSTET, WEIL WIR UNS VERSCHLUCKT HABEN!

Angst (kleinlaut): Oh.

Grant (mehr zu sich selbst): Und da soll noch einer sagen, ich würde immer herumschreien.

Vernunft (wieder mit ruhiger Stimme, den Grant ignorierend): Und selbst, wenn da jetzt ein echter Husten kommt. Glaubst du, der wird besser, wenn du dich so aufführst?

Angst (seufzt): Ich fürchte nicht.

Grant (nachäffend): Ich fürchte nicht, ich fürchte nicht. Du Angsthase!

Angst: Soll mich das irritieren, wenn du mich beim Namen nennst?

Freude: So, jetzt lasst uns nicht streiten. Überlegen wir lieber, was wir heute machen wollen.

Grant: Rausgehen.

Vernunft: Vielleicht ein bisschen realistischere Vorschläge?

Grant: Nicht rausgehen.

Freude: Jetzt reiß dich zusammen, Grant! Glaubst du, für uns ist das einfach hier?

Grant: Du lächelst noch. Kann wohl nicht so schlimm sein.

Freude: Ich lächle, weil es bewiesen ist, dass gute Gefühle mit der richtigen Körperhaltung und Mimik auch hervorgeholt werden können.

Grant: Oida, lass mich doch mit deinem Eso-Scheiß in Frieden!

Vernunft: Also ich möchte heute etwas lernen. Wir könnten weiter mit dieser Sprachlern-App spielen. Das hat sich gestern sehr effektiv angefühlt. 

Grant: Deine Vorschläge sind immer. so. laaaangweilig!!

Vernunft: Das Bad gehört auch geputzt …

Grant: Welchen Teil von Langweilig hast du eigentlich nicht verstanden?

Traurigkeit: Ich mag mich auf der Bank einrollen und 725 Folgen Netflix schauen.

Angst: Alles nur nicht die neue Doku-Serie über Pandemien. Da fürchte ich mich.

Grant: Du fürchtest dich auch, wenn wir Zeichentrickfilme wie „Das Letzte Einhorn“ schauen.

Angst: He! Das war als KIND! Und der rote Stier ist mega gruselig.

Vernunft: Wir schauen sicher NICHT ab 8 Uhr Früh Netflix.

Grant: Na, dann schlag halt was anderes vor.

Vernunft: Wir könnten den Online-Schreib-Kurs weitermachen…

Grant: Wir werden sicher NICHT ab 8 Uhr Früh lernen.

Freude: Also ich habe Hunger.

Angst, Grant, Traurigkeit (zusammen): Ja, wir haben Hunger!

Vernunft: Na, zumindest manche Dinge bleiben gleich … Danach wird aber sehr wohl gelernt!

Grant: Wie? Ich kann dich leider nicht hören! Der Wasserkocher ist zu laut!

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