Eine Vespa auf Reisen, Teil zwei. Sonnen-Edition

Und ich rolle weiter. Diesmal: Von der Steiermark nach Kärnten.

Ich fahre bei ziemlich strahlendem Sonnenschein in Bruck an der Mur los. Die Vespa surrt die Landstraße entlang, um mich herum blühen Futterwiesen, ich friere nirgendwo.

Ich bin fast genauso schnell wie das Navi es vorhergesagt hat in Knittelfeld und denke mir, dass ich bloß kälte- und regenbedingt bei der vergangenen Fahrt so langsam war. Wenn ich so weiterfahre, werde ich bestimmt um 14 Uhr in dem Bio-Hotel in Kärnten sein. Dann könnte ich mich vor der ersten Yogastunden ja sogar noch ein bisschen in die Sonne legen.

In Zeltweg halte ich, weil ich gelernt habe, dass Pausen wichtig sind. Die Raststation befindet sich an einer Kreuzung von zwei Landstraßen und ist hauptsächlich von Bikern besucht. Die Vespa fühlt sich neben so viel Zweirädern sehr wohl.

Als ich aufbreche, parkt sich eine Familie mit ihrem Pkw neben mir ein. Als sie mein Wiener Kennzeichen sehen, nicken sie ankerkennend. Ich fühle mich höchst bikerisch.

Déjà vu

Weiter geht’s, das Lavanttal hinunter. Aber wie es ja auch nach der Pause beim Skifahren so ist, bin ich nun viel müder als vorher und komme langsamer voran.

In Bad St. Leonhard habe ich ein Déjà vu: Erneut fehlen mir nur mehr 50 Minuten (laut Navi) bis ans Ziel; erneut steht mir ein Berg bevor.

Ich ahne ob der Parallele nichts Gutes. Vor allem, weil sich über mir dicke graue Wolken zusammenbrauen. Und das obwohl es heute im gesamten Kärnten keinen Regentropfen geben sollte. Die Kellnerin in dem Café am Bad St. Leonharder Dorfplatz beruhigt mich: Regen? Aber geh, da kommt heute sicher nichts!

Ich steige dennoch schnell auf die Vespa. Langsam klettern wir die Bergstraße hinauf. Mit jedem Meter wird es wieder eisiger und immer mehr echte Biker brausen an uns vorbei. Ich würde ihnen am liebsten, ihre dicken Motorradhosen an mich reißen, aber sie überholen mich zu schnell. Außerdem will ich natürlich nicht, dass sie frieren.

Als fast alle Finger erfroren sind, wir aber zumindest auch fast die Bergkuppe erreicht haben, spüre ich den ersten Tropfen.

Ich möchte erstarren, aber das würde den Regen leider nicht davon abhalten, mich zu durchnässen. Also fahre ich weiter.

Ich überlege, ob auf meiner Vespa wohl schon null Grad herrschen und wie schnell sich Eiszapfen an einer Jeans bilden können, da kommt hinter der nächsten Kurve ein Gasthaus in Sicht: Mein Herz hüpft. Ich stelle die Vespa zwischen den dicken Maschinen ab, laufe ins Gasthaus, das zu dem Zeitpunkt ausschließlich von schutzsuchenden Motorradfahren besucht ist (die jedoch deutlich besser ausgerüstet sind als ich) und bestelle mir eine Frittatensuppe. Noch mehr Skihütten-Feeling. Zum Glück ist bloß Juni.

Alternative Bergabstiege

Das freudige Hüpfen des Herzens verwandelt sich in ängstliches Rasen, als ich mich frage, was ich mache, wenn es doch nicht aufhört zu regnen. Die nebelverhangenen Berggipfel wirken nur romantisch, wenn man nicht durch sie hindurchmuss.  Zu Fuß brauche ich sieben Stunden an mein Ziel, sagt GoogleMaps, das scheidet aus. Sich mit dem Taxi abholen lassen, ist ob der Blamage leider auch keine Option.

Zum Glück hört der Regen nach 20 Minuten auf und ich klettere rasch auf die Vespa, bevor der nächste Regenguss kommt. Obwohl mir die Kellnerin im Gasthaus versichert: Na, das war‘s für heute. Aber das hat ja schon einmal nicht gestimmt.

Wir rollen hinunter. Mit jedem Meter wird es wärmer und als ich im Tal bin, taucht sogar die Sonne wieder auf. Wärme, komm herein!

Als ich um halb fünf im Hotel ankomme (so viel zu 14 Uhr), riecht mein Zimmer warm und weich nach Holz, ich habe einen Balkon, der mich über so ziemlich ganz Kärnten blicken lässt, die YinYoga Stunde schafft es, meine Kräfte zurückzuholen, und das Abendessen ist köstlich.

Noch köstlicher ist vielleicht nur der Aperol.

Als ich mich abends in mein kleines Holzbett kuschle, wirkt die Fahrt plötzlich gar nicht mehr so lang und das Frieren am Berg nicht mehr so dramatisch.

Das einzig Gute an widrigen Umständen ist ja, dass man sie quasi vergisst, sobald man sie überstanden hat.

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