Was kann man schon tun?

Man hört die Nachrichten und da kommt wieder diese Unruhe. Da ist zu viel Negatives. Zu kompliziert. Zu langwierige Konsequenzen. Undurchsichtige Projekte.
 
Man weiß, man ist zu lange untätig gewesen. Der Gedanke ist unangenehm und so verdrängt man ihn wieder.
 
„Wir haben jetzt endlich meinen alten Schreibtisch verkauft“, erzählt eine Freundin, nennen wir sie Dora. „Über eine von diesen Flohmarktplattformen. Ein Herr hat sich gemeldet, ist mit seiner Tochter vorbeigekommen. Sehr freundlich, schüchtern, die Augen über der Maske lächeln.

Preisfrage

 Der Schreibtisch gefällt ihm, aber ob man mit dem Preis noch ein bisschen hinuntergehen könnte, fragt er. Natürlich machen wir das. Es war ihm sichtlich unangenehm genug, das fragen zu müssen.
 
Ob wir vielleicht auch noch einen Schreibtischsessel dazu hätten, fragt er dann. Aber wir haben ja nur den Schreibtisch neu gekauft, also können wir ihm da nicht helfen.
 
Er bezahlt und will den Schreibtisch mit seiner Tochter hinuntertragen, aber der ist ja so schwer. Also hilft Richard.
 
Als er zurückkommt, ist er ganz mitgenommen. Er hat gedacht, dass der Vater den Tisch unten in sein Auto einladen würde. Aber es gab kein Auto. Die Wohnung sei nur ein paar Häuser weiter, meinte der Mann und wollte den Schreibtisch alleine weitertragen.
 
Die Wohnung war dann so klein. Kein Tisch, keine Sessel, nur ein paar Matratzen für die Familie. Sie hätten leider nicht so viel Geld, hat der Mann Richard erzählt. Es würde aber ganz gut gehen. Nur seine Tochter habe seit Kurzem häufig Rückenschmerzen, weil sie mehr Hausaufgaben zu erledigen habe, gebückt auf der Matratze.
 
So sei das nicht mehr gegangen. Also haben sie das Geld zusammengekratzt.

Die Reaktion

Zu Hause setzt Richard sich sofort an den Computer, sucht ein bisschen im Internet, packt sich zusammen, fährt zur angegebenen Adresse, bezahlt, nimmt das Stück entgegen und fährt zurück zur Familie.
 
Überrascht öffnet der Vater die Tür.
 
,Hier‘, sagt Richard und hält ihm den Schreibtischstuhl hin, den er gerade gekauft hat. ,Ich habe noch einmal nachgeschaut, wir haben doch noch einen Sessel daheim gehabt.‘
 
Der Mann reißt die Augen auf, ungläubig, er blickt vorsichtshalber in den Gang, als könnte Richard mit jemand anderem sprechen. ,Sind Sie sicher?‘, fragt er. Und: ,Wie viel wollen bekommen Sie dafür?‘
 
Richard macht eine wegwerfende Handbewegung gehabt. ,Ach, gar nichts‘, sagt er und verabschiedet sich.
 
Als der Mann ihm zum Dank zunickt, ist in seinen Augen nur Dankbarkeit.“
 
Vielleicht braucht es nicht immer ganz große Gesten, vielleicht sind die kleinen manchmal fast wichtiger.
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